Am Rudi reicht‘s für Grün-Gelb

12. Okt 2021

Juniorwahl am RSG würde Zweierbündnis ermöglichen, enttäuscht aber bei der Wahlbeteiligung

Die Juniorwahl ist seit ihrer Geburtsstunde im Jahr 1999 zum größten Schulprojekt Deutschlands herangewachsen. Sie möchte das Erleben und Erlernen von Demokratie ermöglichen und zwar hautnah, im Rahmen von Landtags-, Europa-, oder wie jetzt: der Bundestagswahl. Hierzu werden die teilnehmenden Schulen unterstützt, indem sie Wahlurnen, Informationsmaterial, Kabinen und nicht zuletzt authentische Stimmzettel mit den Parteien und Kandidaten des Wahlkreises bei Zweit- bzw. Erststimme zur Verfügung stellen, damit alles so nah wie möglich an die echte Bundestagswahl herankommt.

Dass die Modellschule für Demokratie Rudi-Stephan-Gymnasium sich diese Möglichkeit nicht entgehen lassen würde, war klar: „Natürlich machen wir bei der Juniorwahl zum Hochfest der Demokratie – unserer Bundestagswahl – mit,“ versichert Fachschaftsleiter für Sozialkunde am RSG, Christian Lohmüller, und ergänzt, „das hat ja auch schon Tradition bei uns, letztmalig bei der Europawahl vor zwei Jahren.“ Hierzu übernahm Lohmüllers Sozialkunde-Leistungskurs die Dienste in jeder Pause der Vorwahlwoche, um im Wahllokal im Foyer des Rudi einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Damit alle wahlberechtigten Schüler ab der neunten Klasse (ab da wird Sozialkunde in Rheinland-Pfalz bisher unterrichtet) informiert sind, rührten nicht nur die jeweiligen Sozi-Lehrer die Werbetrommel für den Urnengang, auch der 12er-Sozi-Lk von Kai Berkes teilte sich auf und informierte die Schülerinnen und Schüler per Kurzbesuch, um daran zu erinnern, das – wenn auch nur fiktive – Hoheitsrecht des Souveräns wahrzunehmen. „Klassenweise Wandertage zum Wahllokal wurden aber ganz bewusst vermieden, auch wenn es solche Unsitten offenbar auch dieses Jahr wieder an anderen Schulen unserer Gegend gegeben haben soll“, gibt Berkes etwas genervt zu Protokoll. „Eine Wahl ist in Deutschland laut Grundgesetz allgemein, unmittelbar, gleich, geheim und vor allem auch: frei! Das heißt dann eben, dass jeder selbst sein Wahlrecht aktiv wahrnehmen muss. Wenn er‘s nicht tut, kann man ihm oder ihr nicht helfen,“ so der Sozialkundelehrer weiter. „Bei uns wird niemand zur Wahl geführt wie ein Lamm zur Schlachtbank. Den Weg muss jeder selber gehen.“

Vor diesem Hintergrund muss dann wohl auch die dürftige Wahlbeteiligung gesehen werden, die aber dennoch viele am RSG enttäuschte. „Mit 139 von 387 Wahlberechtigten gaben nur 35,9% der Schülerinnen und Schüler ihre Stimme ab. Das liegt deutlich unter unserer Wahlbeteiligung bei der Europawahl vor zwei Jahren, als wir mit mehr als 50% unser selbstgestecktes Ziel klar erreichten,“ gibt Christian Lohmüller zu bedenken. Woran dies gelegen haben könnte? Es gibt Vermutungen, aber keine abschließende Erklärung. Einerseits gastierte das Wormser Jugendparlament mit der U-18-Wahl und damit einem ähnlichen Projekt auf dem Schulhof des BIZ. Ob da einige gedacht haben: Na ja, einmal wählen reicht ja. Es wäre ihnen nicht zu verdenken. „Andererseits“, so gibt Michael Wunsch, Referendar für Sozialkunde am RSG und selbst in verschiedenen Klassen der Mittelstufe eingesetzt, zu erkennen, „haben einige gesagt, sie seien sich einfach nicht sicher, was sie wählen sollten.“ Ob dies am zu spät beginnenden Sozialkundeunterricht in Rheinland-Pfalz liegt, bleibt dahingestellt, geändert wird dies erst im kommenden Schuljahr: Die Politik hat reagiert und die neuen Lehrpläne inklusive der Aufwertung des Fachs ab der achten Klasse bereits auf den Weg gebracht.

Aber wie ist sie nun ausgegangen, die Bundestagswahl am Rudi? Im Unterschied zum Gesamtergebnis der Juniorwahl im Bund, wo es ebenso wie in der Realität für kein Zweierbündnis reichen würde (CDU 13,5%, SPD 19,4%, Grüne 20,6%, FDP 18,5%), kämen Grüne (27,3%) und FDP (23,0%) knapp über die absolute Mehrheit. Am RSG hätten also erstmals statthabende „Vorsondierungen“ der beiden Parteien bereits Koalitiongesprächscharakter. Die SPD konnte mit 18% den Scholz-Faktor am Rudi nicht so sehr für sich nutzen und wird nur drittstärkste Kraft. Die CDU müsste dagegen beinahe noch froh sein, dass sie knapp mehr als 24% bei der echten Wahl erreichte; am RSG landet sie abgeschlagen mit 8,6% auf Platz fünf – noch hinter der Linken (11,5%).

Anders dagegen stellt sich die Situation bei der Erststimme dar: Dort konnte – wie auch wirklich am 26. September – Jan Metzler (CDU) sein Direktmandat am RSG mit 34,5% deutlich verteidigen, und nicht etwa vor dem Kandidaten der SPD, David Maier (22,3%), der Metzler am Wahlabend ein enges Rennen geliefert hatte, sondern vorm Kandidaten der Grünen, Christian Engelke, der mit 23,0% hauchzart vor Maier auf Platz 2 landete. Dieses Ergebnis lässt am Ende doch deutliche Rückschlüsse auf die Wählerinnen und Wähler der Juniorwahl am RSG zu: Diese Rudis kennen das bundesrepublikanische personalisierte Verhältniswahlrecht sehr genau, denn gerade die deutlichen Unterschiede der beiden Stimmen bei den so genannten Volksparteien lassen auf diese Kenntnis schließen. So wenig die CDU im Bund die Jugendlichen überzeugte, so sehr tat es doch der unmittelbare Kandidat im Kreis.

Am Ende kein Wort über die AfD? Doch: Sie wurde bei der Juniorwahl am RSG 2021 nicht einmal gewählt. Weder per Erst- noch mit Zweitstimme.

Bericht: Bk

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